ALTERUNG / VEREDELUNG

 

Oh du schöne Plastikwelt -
so detailreich sie auch ist, doch die Realität ist schmutzig,
grau, braun, rostig, schlammig, verkalkt und verkohlt.
Die folgenden Beispiele zeigen eine Zusammenstellung
einiger Fotos aus dem Güterverkehr, gealterte Loks,
Wagen und Transportgut.

 

WENIGER IST MEHR! Ein Step-by-Step Bericht

Name: Carola Peters, geboren: 1960 in Gelsenkirchen, also mitten im Ruhrpott. Man spielt und wohnt am Bahnhof, neben dem Bahnhof oder weit weg vom Bahnhof. Der „Bf“ spielt irgendwie immer eine Rolle. Auch kenne ich noch die Zeiten der Stahlwerke. Für mich sind heute stillgelegte Industrieanlagen noch immer faszinierende Schauplätze, auf denen ich gerne mit der Kamera herumschleiche. Seit 1978 bin ich sesshaft in Castrop-Rauxel.

Ursprünglich (so in den 90’ern) komme ich aus der Airbrush-Szene - Motorradtanks, Helme, Tankdeckel, etc. Irgendwann war ich fasziniert von der H0-Bahn eines Freundes. Die gesamte Anlage war so realistisch und liebevoll gestaltet - nur auf den Gleisen fuhren „fabrikneue“ Züge. Schade, dachte ich, das passt irgendwie nicht. Besonders von oben sahen die Modelle plastikhaft aus. Gesehen hatte ich Weathering schon auf Messen und in Foren, doch leider manchmal etwas übertrieben.

So kamen wir gemeinsam auf die Idee, vorsichtig die Realität nachzuahmen. Nicht zu doll, hieß es, nicht „zumatschen“. Also tastete ich mich mit Tüfteln und Probieren, mit Pinsel, Airbrush und Wattestäbchen, an dezentes Altern heran. Selber besitze ich keine Anlage, aber ein Freund von mir bereitet sich zurzeit auf eine Industrie-Anlage der Epoche III /IV vor. Deshalb überarbeite ich diese „alten Haudegen“ damit sie in die Landschaft passen. Diesen Vorgang habe ich einmal Schritt für Schritt dokumentiert.

Los geht's also mit einer dezenten Alterung

von gedeckten Güterwagen, H0 aus der Epoche III, als es noch Zechen und Stahlwerke gab.

(Abb.1) Ein Referenzbild vom Original zu finden ist immer wichtig. Die Suche im Internet hilft dabei. Man kann anhand der Vorlage dann entscheiden, ob die Gebrauchsspuren verstärkt werden, oder lieber etwas gemildert. Ich verzichte an dieser Stelle auf ein „geklautes Foto“ und zeige die unbehandelten Wagen.

 (Abb.2) Zur Vorbereitung werden vorsichtig die Radsätze ausgeklinkt und nach Möglichkeit die Dächer abgenommen. Bitte Vorsicht bei den Dächern, z.B. bei sehr alten Modellen: wenn sie sich nicht lösen lassen, muss man abkleben.

(Abb.3) Die Achsen stecke ich in vorbereitete, geschlitzte Kappafix-Platten. Diese kann man wieder verwenden, die Nummerierung hilft beim späteren Zuordnen. Die Räder werden mit Rost Matt von Aduedus Hobby Color besprüht. Ich benutze dazu eine Airbrush von Richpen mit 0,2 Düse. Diese trifft sehr genau wo sie sprühen soll, dann muss man die Laufflächen der Räder nicht säubern.

(Abb.4) Die kompletten Seitenwände der Güterwagen werden nun mit verdünnter schwarzer Farbe von Aerocolor eingenebelt…

(Abb.5) …um sie anschließend mit Alkohol (Isopropanol aus der Apotheke) und einem Wattestäbchen vorsichtig wieder abzuwaschen. Ein Wattestäbchen ist untertrieben, für 10 Wagen geht schon mal eine halbe Schachtel drauf J. Dem Original-Lack passiert dabei nichts und den aufgedruckten Schriften auch nicht. Immer schön in Längsrichtung streichen, so wie auch der Regen ablaufen würde. In den Kanten und Zwischenräumen bleibt die schwarze Farbe, der „Schmutz“, haften. Geduld, das dauert etwas!

(Abb.6) Wo ich doch gerade geschwärzte und noch feuchte Wattestäbchen in der Hand habe, streiche ich gleich über das jeweilige Dach, um auch hier zarte Schmutzläufer zu erzeugen. An den Dachriefen wird etwas nachgesprüht, um sie hervorzuheben und am Rollo (vom Auf- und Zuschieben) etwas weggewischt. Hier bitte nur die oben stehenden Kanten wischen, unten in den Falten sammeln sich ja Staub und Regen.

Wer auf Details wert legt, kann nun evtl. unbemalte Bremshebel und Haken mit einem 0er oder 1er Pinsel nachpinseln. (Tipp: um den winzigen Hebel auf den weißen Feldern zu treffen, nehme ich einen Lack-Edding. Die feste Spitze schabt nur über den Hebel.)

(Abb.7) Das Fahrgestell wird mit Staubbraun Matt gesprüht, um den Bremsstaub und den aufgewirbelten Dreck zu simulieren. Die Farben von Hobby Color sind sehr dickflüssig, haben aber eine außergewöhnliche Deckkraft. Zum Sprühen werden sie 1:2 mit Aqua dest. verdünnt (Bügelwasser J enthält kein Kalk, gut für die Farben und die Airbrushpistole). Die Schriften auf dem Fahrgestell bitte nicht zusprühen, man soll sie noch lesen können.

Um den schwarzen Schmutz in den Kanten zu mildern kommt eine hauchdünne Schicht Staubbraun Matt ebenfalls auf die Seitenwände, somit leuchtet auch die Beschriftung nicht mehr Schneeweiß. Die Federung wird mit Englischrot, einem Orangeton von Aerocolor etwas hervorgehoben. Das kann man, wer möchte, auch mit dem Pinsel machen. Die Dächer und die Rollplane bekommen in der Mitte noch eine Staubschicht mit Sepia (ein grau-braun-grün) von Aerocolor aufgesprüht.

(Abb.8) Zum Schluss steht noch das Mattfinish an. Denn im „echten Leben glänzt da nix“, wenn ich meinen Kumpel aus dem Ruhrgebiet zitieren darf. Man sieht deutlich, dass die rechte Seite noch etwas glänzt, während die linke Seite wirklich matt ist. Hierfür eignet sich der Matt-Lack von Hobby Color. Dieser neigt allerdings dazu etwas bläulich zu schimmern, wenn man zu dick aufträgt. Daher benutze ich lieber einen sehr matten Acryllack auf Wasserbasis von Lascaux aus dem Künstlerbedarf, zusätzlich mit Mattierpulver von Life Colours gemischt. Beide Versionen sind leider nicht resistent gegen mechanische Beanspruchung und „Fettfinger“ sieht man auch. Grifffest sind sie schon, man kann nur nachträglich nicht noch mal das Dach abhebeln, ohne Spuren zu hinterlassen. Meine Eisenbahn-Freunde haben mir aber versichert, dass sie ihre Wägelchen sowieso mit Samthandschuhen anfassen. Wer möchte kann noch „Schmiere“ an die Puffer tupfen, mit Öl von Hobby Color.

(Abb.9) Fertig: Jetzt kann alles vorsichtig wieder zusammengesetzt werden. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, wie ich finde – viel Spaß beim Nachmachen!

Nach oben

Mineralöl Kesselwagen von Fleischmann supern

Beginnen wir mit dem Supern eines Mineralöl-Kesselwagens von Fleischmann Spurweite H0. Im linken Bild kommt der Wagen frisch aus der Verpackung. Das mittlere Foto dient als Referenzbild. Der Wagen ist noch nicht allzu alt und ramponiert, hat aber schon die typischen Läufer von Diesel, Heizöl oder Ähnlichem. Der rechte Kesselwagen hat also eine dezente Alterung bekommen. Das Fahrgestell wird mit dem üblichen Schienenstaub gesprüht, die Räder bekommen rostigen Bremsstaub, leichter Rost und Schmutz ist an den Kesselringen zu erkennen. Die Ölspur ist gesprüht und gepinselt. Eine graubraune Farbschicht von oben heruntergerieselt, simuliert die Wettereinflüsse.
Anmerkung: Sorry, ein aufmerksamer Leser hat den Wagen als Märklin-Modell erkannt, der Fleischmann-Wagen hat eine schwarze Binde. Ich bitte diese Fehler zu entschuldigen, da ich selber keine Modellbahn besitze.

Weathering einer Lok 260 417-1 von Märklin

Diese kleine 260ger Lok von Märklin Spur H0 ist ein Arbeitstier und durfte schon etwas mehr Alterung / weathering vertragen. Bild Links: unbehandelt, Bild Mitte: ein Referenzfoto. Fotos aus dem echten Leben der Epoche III und IV zu bekommen ist nicht ganz einfach - gut, wenn man Freunde mit entsprechender Literatur hat. Bild Rechts: Diese galterte Lok mit Ruß, Schmiere und etwas Rost soll einen Kohlezug ziehen. Das Fahrgestell hat mit der Airbrush den Flug- und Bremsstaub erhalten. In den Ecken und Kanten hat sich ein Dreckfilm abgelagert. Das Dach ist vom Wetter schmutzig und hat Regenläufer. Der rote Lack glänzt schon lange nicht mehr und ist ausgeblichen, über die Lok wurde ein Supermattfinish gesprüht. Die Bildergalerie enthält weitere Fotos von Loks und Wagen.

Hier geht es zur Bildergalerie Modellbahn

Nach oben

Kühlwagen Interfrigo Piko H0 veredeln

Der Kühlwagen von Interfrigo sieht auch in Natura immer gepflegt aus. Doch wie im Bild Links, verpackungsneu, auf keinen Fall. Auf dem Referenzbild Mitte kann man sehr schön den Schmutz in den Türkanten sehen. Unser Modell bekommt ein eingestaubtes Fahrgestell, den üblichen rostigen Bremsstaub. Der Aufbau wird komplett eingestaubt und wieder gereinigt. An den Stellen wo das Wattestäbchen nicht hin kommt, bleibt eine kräftige Schmutzkante. Der gewünschte Effekt ist damit erreicht: eine dezente Veredelung.

Nach oben

Selbstentladewagen Rivarossi, Roco, Trix, Spurweite H0

Die Erzwagen oder Koks- und Kohlewaggons kann man sehr, sehr selten Fabrikneu sehen. Bild Rechts: Märklin hat das auch eingesehen und sprüht manchmal recht lieblos eine schwarze Schicht als Kohlenstaub auf. Bild Mitte: Wenn man abgestellte Selbstentladewagen auf einem Abstellgleis betrachtet, glänzt da nix mehr. Bild Rechts: Dies war ein kompletter Zug aus 20 Wagen von unterschiedlichen Herstellern wie Rivarossi, Roco,Trix. Der eine wurde mehr, der andere weniger veredelt. Feldweise Nachlackierungen in den unterschiedlichsten Rottönen und ein Supermattfinish runden das Bild ab.

Hier geht es zur Modellbahn-Galerie

Nach oben

Airbrush auf Brammen in H0 und eine kleine Lok

Transportgut gehört natürlich auch zu den Objekten, die angepasst werden müssen. Diese gealterten Brammen zeigen deutlich, dass sie dem wirklichen Aussehen sehr nahe kommen und nichts mehr mit den sonst erhältlichen Plastikteilen gemeinsam haben. Die Farben verschwimmen von Blaugrau nach Rotbraun. Aufgesprühte Mineralpigmente mit der Airbrush simulieren die Rostblüte, die Seiten wurden beschriftet. An der kleinen blauen Lok kann man sehr gut die Dachverschmutzung sehen. - Bislang wurden Bahn-Modelle in H0 vorgestellt. Um zu zeigen, dass es auch kleiner geht: die kleinen Schlackewagen im nächsten Beispiel sind in H0 und SpurN.

Nach oben

Schlacke- und Roheisenkübel in Spur H0 und SpurN

Ein Blick in glühendes Eisen war die Vorlage für die Plastikeinsätze, welche in Roheisen- oder Schlackekübel eingestetzt werden. Diese farblosen oder weißen Kautschuk Dinger, die das Ladegut simulieren sollen, mussten sogar evtl. von unten beleuchtbar sein, aber auch im Hellen eine Wirkung haben. Der Bildausschnitt von der Torpedopfanne zeigt die Tageslichtaufnahme. Sie ist NICHT von unten beleuchtet. Die Farbe ist transparent und läßt das Licht durch, deshalb wurde auf deckendes Anthrazit verzichtet. Daneben zeigen Einsätze, die nicht beleuchtet werden noch zusätzlich Schlackeaufbauten aus Acryl-Spachtelmasse vermischt mit Mineralstaub. Wer sich für die Anpassung von Gebäuden oder anderen Modellen interessiert, findet in der Modellbau-Galerie vielleicht Inspiration.

Hier geht es zur Modellbau-Galerie

Nach oben